Fahrzeuglackierer Bundesverband
Merkblatt-Assistentfür Fahrzeuglackierer

MB 011 · Karosserie & Übergabe · Stand 03/2025

Fachgerechte Instandsetzung

Grundlagen für die Beurteilung von Instandsetzungsarbeiten an metallischen Bauteilen der Karosserieaußenhaut hinsichtlich der fachlichen Korrektheit anhand von Schichtdickenmessungen

Nach einer Instandsetzung ist das Auftragen von Spachtelmassen zum Ausgleich kleinerer Unebenheiten meist unumgänglich; eine erhöhte Schichtdicke weist nicht automatisch auf eine unsachgemäße Instandsetzung hin. Das Merkblatt sagt, wann das fachlich in Ordnung ist und wie man die Reparatur mit Fotos und Messungen dokumentiert.

Herausgeber: BFL, DeKoLaKa

Kurzfassung zum schnellen Verstehen, gegen den Originaltext geprüft. Verbindlich ist das Original-Merkblatt – die Seitenangaben führen direkt dorthin.

Worum es geht

Das Merkblatt behandelt die Instandsetzung von Metallteilen der Außenhaut und die Frage, ob hohe Schichtdicken danach ein Zeichen schlechter Arbeit sind. Grundsatz: Die pauschale Aussage, eine erhöhte Schichtdicke weise automatisch auf eine unsachgemäße Instandsetzung hin, ist fachlich nicht korrekt. Das gilt besonders dann, wenn Herstellerrichtlinien und Materialeigenschaften beachtet wurden und nach aktuellem Stand der Technik mit geeigneten Werkzeugen gearbeitet wurde. Je fester der Stahl, desto weniger lässt er sich zurückformen; hoch- und ultrahochfeste Stähle können beim Schweißen ihre Eigenschaften verlieren. Große Flächen wie Tür, Haube oder Dach reagieren empfindlicher auf viel Füllmaterial als kleine, steife Bereiche wie Schweller oder Radlauf. Polyesterspachtel sollte wenn möglich auf 2 mm begrenzt bleiben; Das fachgerechte Füllen oder Herstellen von Kanten (Spaltmaße), Sicken und Konturen sowie einer durchgehenden Oberfläche an Fügestellen mit geeigneten Schwemmzinnersatzmaterialien ist auch über 2 mm möglich, sofern die Einsatz-, Verarbeitungs- und Materialeigenschaften der verwendeten Stoffe berücksichtigt werden. Oberstes Ziel bleibt, die Form möglichst genau durch Ausbeulen herzustellen und Füllstoffe nur sparsam einzusetzen. Die Reparatur sollte in vier Schritten fotografiert und gemessen werden. Instandsetzen ist laut den zitierten Studien meist die CO2- und ressourcenschonendere Lösung und erhält Originalnähte und Verklebungen.

Kernaussagen

Wann du das brauchst

So setzt du es um

  1. Bei jeder Instandsetzung mit Füllmasse die vier Doku-Schritte fotografieren und die Schichtdicke im Zentrum bzw. am Punkt des größten Auftrags messen.
  2. Die Einsatz-, Verarbeitungs- und Produkteigenschaften der verwendeten Materialien zwingend beachten und einhalten; viele Fahrzeughersteller verweisen auf die Produktdatenblätter der Material- und Lackhersteller.
  3. Den Auftrag von Polyesterspachtel wenn möglich auf eine Schichtstärke von 2 mm begrenzen; eine höhere Schichtstärke lässt sich durch Rückformungstechniken oder Schwemmzinnersatzmaterialien vermeiden.
  4. Vor der Reparatur Stahlsorte und Herstellervorgaben prüfen, besonders bei HSS/UHSS.
  5. Bei Beanstandungen auf die Zusammenfassung des Merkblatts verweisen: Schichtdicke allein ist kein Beleg für Pfusch.

Genannte Positionen für Kalkulation und Rechnung

Begriffe

HSS / UHSS
Hochfester bzw. ultrahochfester Stahl, der schwerer rückformbar ist und durch Schweißwärme geschädigt werden kann.
Schwemmzinnersatz
Füllmaterial, mit dem Kanten, Sicken, Konturen und Fügestellen hergestellt werden – auch in Schichten über 2 mm.
Polyesterspachtel (2K)
Spachtelmasse zum Ausgleich kleiner Unebenheiten, möglichst auf 2 mm begrenzt.
Rückformung
Moderne Reparaturtechnik, mit der eine höhere Schichtstärke von Polyesterspachtel vermieden werden kann; Hauptziel ist die möglichst präzise Herstellung der Konturen und Flächen mittels Ausbeultechniken.
Instandsetzung
Die fachgerechte Instandsetzung ist ein sorgfältiger Prozess, der eine gründliche Analyse des Bauteils, die Auswahl geeigneter Materialien und Techniken sowie die sachkundige Durchführung erfordert, um Funktion und Ästhetik der Bauteile zu erhalten oder wiederherzustellen. Ziel ist es, Funktion und Ästhetik der Bauteile zu erhalten oder wiederherzustellen.

Typische Fragen

Beweist eine hohe Schichtdicke nach der Reparatur, dass schlecht gearbeitet wurde?

Nein. Das Merkblatt nennt diese pauschale Aussage fachlich nicht korrekt. Das gilt besonders dann, wenn Herstellerrichtlinien und Materialeigenschaften beachtet wurden und nach aktuellem Stand der Technik mit geeigneten Werkzeugen gearbeitet wurde.S. 5 ↗

Wie dick darf Polyesterspachtel sein?

Nach Untersuchungen sollte er wenn möglich auf 2 mm begrenzt werden. Eine höhere Schichtstärke von Polyesterspachtel lässt sich durch moderne Reparaturtechnologien vermeiden, etwa durch Rückformungstechniken und Schwemmzinnersatzmaterialien.S. 5 ↗

Ist Schwemmzinnersatz über 2 mm ein Mangel?

Nein. An Kanten, Sicken, Konturen und Fügestellen ist das bei Beachtung der Materialeigenschaften problemlos möglich und nicht zu beanstanden.S. 5 ↗

Wie sollte ich eine Instandsetzung dokumentieren?

Fotos vom unreparierten Schaden, vom rückgeformten Bereich, Messung mit Füllmaterial und Messung nach fertiger Lackierung. Gemessen wird im Zentrum oder am Punkt des größten Füllauftrags.S. 3 ↗

Kann man jedes Stahlteil instand setzen?

Nicht immer. Je fester der Stahl, desto geringer die Rückformbarkeit, und hoch- oder ultrahochfeste Stähle können beim Schweißen ihre Eigenschaften verlieren.S. 2 ↗

Warum ist Instandsetzen oft besser als Tauschen?

Laut den zitierten Studien ist Instandsetzen meist CO2- und ressourcenschonender. Außerdem bleiben Originaldichtnähte, Verklebungen und Schweißnähte erhalten. Gerade bei geschweißten Karosserieteilen ist die Instandsetzung häufig der minimalinvasivste und damit schonendere Eingriff.S. 5 ↗

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