MB 006 · Kalkulation · Stand 12/2020
Materialkosten
Grundsätzlich frei wählbar
Nach welcher Methode ein Lackierbetrieb seine Lackmaterialkosten berechnet, ist ihm grundsätzlich freigestellt. Das Merkblatt erklärt die drei Methoden der Kalkulationsanbieter.
Herausgeber: BFL
Kurzfassung zum schnellen Verstehen, gegen den Originaltext geprüft. Verbindlich ist das Original-Merkblatt – die Seitenangaben führen direkt dorthin.
Worum es geht
Eine Kalkulation fasst die Kosten eines Betriebs zusammen und ist die Grundlage für den Preis seiner Leistung. Eine Handwerkerrechnung besteht aus Lohn- und Materialanteil. Welche Abrechnungsmethode der Lackierbetrieb wählt, bleibt nach derzeit geltendem Recht ihm überlassen; rechtlich relevant wird es laut Merkblatt erst im Bereich des Wuchers. In der Branche verbreitet ist die Zuschlagskalkulation, bei der das Material als Prozentsatz vom Lackierlohn berechnet wird. Die Kalkulationsanbieter Audatex, DAT und Schwacke bieten drei Methoden an: nach Hersteller (Prozent vom Lacklohn), nach AZT (Materialindexwert) und nach Eurolack (nur DAT, Materialpunkte je Bauteilfläche). Der AZT-Indexwert ist ein Durchschnitt und darf an die eigenen Kosten angepasst werden, auch über 100 Prozent. Kürzungen durch Prüfdienstleister, die eine bestimmte Methode vorschreiben wollen, hält das Merkblatt für nicht gerechtfertigt.
Kernaussagen
- Eine Kalkulation wertet die betrieblichen Kosten aus und bildet die Grundlage für den Preis der eigenen Dienstleistung.S. 2 ↗
- Eine Handwerkerrechnung besteht aus Lohn- und Materialanteil; aus Sicht des Gesetzgebers wird die Preisfrage erst im Bereich des Wuchers relevant.S. 2 ↗
- Nach welcher Methode der Lackierbetrieb abrechnet, ist grundsätzlich dem Unternehmer freigestellt.S. 2 ↗
- Bei der verbreiteten Zuschlagskalkulation ergeben sich die Materialkosten als Prozentsatz der Lackierlohnkosten, auf Basis einer internen Analyse der Materialkosten.S. 2 ↗
- Die Datenanbieter bieten drei Methoden: nach Hersteller (Prozent vom Lacklohn), nach AZT (Materialindexwert) und nach Eurolack (nur DAT, Materialpunkte aus Bauteilflächen, Lackart und Lackstufe).S. 3 ↗
- Die Methode „Nach Hersteller“ mit Materialpreis prozentual vom Lacklohn ist weiterhin zulässig und bei Audatex, DAT und Schwacke hinterlegt.S. 3 ↗
- Kürzungen durch Prüfdienstleister, die eine bestimmte Lackiermethode einfordern, hält das Merkblatt für nicht gerechtfertigt und zurückzuweisen.S. 3 ↗
- Die Materialkosten können per Indexanpassung an die eigenen Gegebenheiten angepasst werden; ein Materialindexwert über 100 Prozent ist möglich.S. 3 ↗
Wann du das brauchst
- Ein Prüfbericht kürzt die Materialkosten, weil statt „Nach Hersteller“ eine andere Methode verlangt wird.
- Der Betrieb überlegt, welche Materialberechnungsmethode er im Kalkulationssystem einstellt.
- Die tatsächlichen Materialkosten liegen über dem AZT-Durchschnittswert.
- Es ist zu begründen, dass die Materialpreisberechnung prozentual vom Lacklohn (Methode „Nach Hersteller“) eine weiterhin zulässige Kalkulationsmethode ist.
So setzt du es um
- Bei der Zuschlagskalkulation werden die Materialkosten des Betriebes zuvor intern analysiert und dienen als Berechnungsgrundlage für den prozentualen Aufschlag; der vom AZT ermittelte Materialindexwert ist ein Durchschnittswert und kann vom Betrieb gemäß seinen Kosten angepasst werden.
- Die Berechnungsmethode (Hersteller, AZT oder Eurolack) frei wählen; nach welcher Berechnungsgrundlage der Betrieb fakturiert, ist dem Unternehmer freigestellt.
- Die ausgewiesenen Lackiermaterialkosten per Indexanpassung auf die individuellen Gegebenheiten abstimmen; der Materialindexwert kann dabei auch über 100 Prozent liegen.
- Kürzungen durch Prüfdienstleister, die eine bestimmte Lackiermethode einfordern, als nicht gerechtfertigt zurückweisen, da die Wahl des Berechnungssystems dem Unternehmer freisteht.
Genannte Positionen für Kalkulation und Rechnung
- Lackierlohn
- Lackmaterial als prozentualer Zuschlag auf den Lacklohn (Methode „Nach Hersteller“)
- Lackmaterial nach Materialindexwert (Methode „AZT“)
- Lackmaterial nach Materialpunkten (Methode „Eurolack“, nur DAT)
Begriffe
- Zuschlagskalkulation
- Eine der Kalkulationsmöglichkeiten der Betriebswirtschaftslehre, in der Lackierbranche sehr verbreitet: Die Materialkosten ergeben sich als prozentualer Anteil der Lackierlohnkosten; Grundlage für den Aufschlag ist eine vorherige interne Analyse der Materialkosten des Betriebes.
- Materialindexwert (AZT)
- Vom AZT nach den tatsächlichen Verbrauchswerten (auftragsspezifischer Materialverbrauch und Kosten je Materialeinheit) ermittelter Durchschnittswert, den der Betrieb gemäß seinen Kosten anpassen kann.
- Eurolack / Materialpunkte
- DAT-Methode, die den Materialbedarf aus der Fläche jedes Bauteils, Lackart und Lackstufe in Materialpunkten berechnet.
- Indexanpassung
- Anpassung der ausgewiesenen Materialkosten an die tatsächlichen Kosten des Betriebs.
Typische Fragen
Darf ich das Lackmaterial als Prozentsatz vom Lacklohn abrechnen?
Ja, laut Merkblatt ist die Methode „Nach Hersteller“ mit Materialpreis prozentual vom Lacklohn weiterhin zulässig und bei Audatex, DAT und Schwacke hinterlegt.S. 3 ↗
Muss ich eine bestimmte Methode verwenden, wenn der Prüfbericht das verlangt?
Nach dem Merkblatt nicht. Die Wahl der Berechnungsgrundlage ist dem Unternehmer freigestellt, Kürzungen wegen einer geforderten Methode hält es für nicht gerechtfertigt.S. 3 ↗
Darf der AZT-Materialindex über 100 Prozent liegen?
Ja. Der Index ist ein Durchschnittswert und kann an die individuellen Kosten des Betriebs angepasst werden, auch über 100 Prozent.S. 3 ↗
Gibt es eine gesetzliche Obergrenze für meine Preise?
Das Merkblatt sagt nur, dass das Thema aus Sicht des Gesetzgebers erst im Bereich des Wuchers relevant wird. Konkrete Grenzen nennt es nicht.S. 2 ↗
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