MB 002 · Kalkulation · Stand 09/2020
VIN-Abfrage für die Reparaturkostenkalkulation
Nicht immer eindeutig
Die Lackart, die ein Kalkulationssystem nach der VIN-Abfrage automatisch vorschlägt, ist nicht immer richtig. Der Lackierbetrieb muss sie prüfen und an sein Reparaturlacksystem anpassen.
Herausgeber: BFL, IFL
Kurzfassung zum schnellen Verstehen, gegen den Originaltext geprüft. Verbindlich ist das Original-Merkblatt – die Seitenangaben führen direkt dorthin.
Worum es geht
In Kalkulationssystemen wie Audatex, DAT und Schwacke wird nach Eingabe der VIN (Vehicle Identification Number) bzw. Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) automatisch eine sogenannte Lackart vorbelegt. Die Lackart vereint Lackschichtaufbau, Farbton, Glanzgrad und Lacktechnologie und beeinflusst damit direkt und entscheidend die Reparaturkosten (Arbeitszeit- und Materialkosten). Die VIN kennt aber nur den Zustand ab Werk: Umlackierungen oder spätere Änderungen sind nicht erfasst. Mehrschicht-Lackaufbauten, eingefärbte Klarlacksysteme oder Matt-Lackierungen werden über die VIN-Abfrage in den Kalkulationssystemen nicht immer automatisch ersichtlich., und ein als Metallic eingestufter Farbton kann in der Mischformel teure Pearl-Pigmente enthalten. Dazu kommt, dass Jeder Reparaturlackhersteller hat ein eigenes Lacksystem; wo einer bei einem Farbton mit zwei Lackschichten auskommt, benötigt ein anderer eventuell drei.. Deshalb ist die Voreinstellung nur ein unverbindlicher Service: Fachbetrieb oder Sachverständiger müssen die Lackart vor der Reparatur prüfen und anpassen. Kürzungen bezüglich der Lackart in Verbindung mit der VIN-Abfrage sind laut Merkblatt nicht gerechtfertigt und müssen nicht akzeptiert werden.
Kernaussagen
- Die Lackart vereint Farbton, Lackschichtaufbau, Glanzgrad und Lacktechnologie und ist die Materialberechnungsgrundlage im Kalkulationssystem.S. 2 ↗
- Die nach der VIN-Abfrage automatisch vorbelegte Lackart muss durch Fachbetrieb oder Sachverständigen geprüft und an den tatsächlichen Reparaturaufwand angepasst werden.S. 3 ↗
- Die Farbtonklassifizierung (Uni, Metallic, Pearl, Mica usw.) ist anhand der Mischformel im eigenen Reparaturlacksystem zu prüfen, anzupassen und zu dokumentieren; der Sachverständige ist über den nötigen Reparaturablauf zu informieren.S. 4 ↗
- Auch der Klarlack (z. B. eingefärbt, kratzfest, elastifiziert, reflow, matt) muss geprüft und entsprechend im Kalkulationssystem ausgewählt und abgerechnet werden.S. 4 ↗
- Änderungen nach Vergabe der VIN, etwa Umlackierungen, bildet die VIN-Abfrage nicht ab.S. 4 ↗
- Mehrschicht-, Sonder- und Mattlackierungen sowie eingefärbte Klarlacke werden per VIN nicht immer korrekt ausgewiesen; eine Metallic-Einstufung kann in der Mischformel teure Pearl-Pigmente verbergen.S. 5 ↗
- Die Reparatur nach Lackherstellerrichtlinien ist oft aufwendiger als die Werkslackierung; maßgeblich sind die aktuellen technischen Unterlagen (ATI/TI) des Herstellers.S. 6 ↗
- Die VIN-Vorbelegung der Lackart ist ein unverbindlicher Service; Die VIN-Vorbelegung der Lackart ist ein unverbindlicher Service; Kürzungen bezüglich der Lackart in Verbindung mit der VIN-Abfrage sind nicht gerechtfertigt und müssen nicht akzeptiert werden.S. 6 ↗
Wann du das brauchst
- Ein Gutachten oder eine Kalkulation übernimmt ungeprüft die Lackart aus der VIN-Abfrage.
- Das Fahrzeug wurde früher umlackiert und hat nicht mehr den Werkszustand.
- Die Mischformel zeigt Pearl- oder Spezialpigmente, obwohl das System nur Metallic ausweist.
- Das eigene Lacksystem braucht für den Farbton mehr Schichten als in der Kalkulation hinterlegt.
- Eine Rechnung wird mit Verweis auf die VIN-Lackart gekürzt.
So setzt du es um
- Nach jeder VIN-Abfrage die vorbelegte Lackart (Aufbau, Farbton-Klasse, Klarlack) prüfen, bei Audatex in den Ausführungsvarianten unter Lackierung.
- Die Farbtonklassifizierung mit der Mischformel des eigenen Reparaturlacksystems abgleichen und Abweichungen dokumentieren.
- Den nötigen Klarlack nach Formelsystem und technischen Schriften des Lackherstellers auswählen und so kalkulieren.
- Den Sachverständigen über den tatsächlich nötigen Reparaturablauf informieren.
- Kürzungen bezüglich der Lackart in Verbindung mit der VIN-Abfrage sind laut Merkblatt nicht gerechtfertigt und müssen nicht akzeptiert werden.
Genannte Positionen für Kalkulation und Rechnung
- Lackart passend zum eingesetzten Reparaturlacksystem (Arbeitszeit und Material)
- Mehrschicht- oder Sonderlackierung mit Spezialpigmenten
- Korrigierte Farbtonklassifizierung (z. B. Pearl statt Metallic)
- Klarlackvariante (klar, eingefärbt, kratzfest, elastifiziert, reflow, matt)
- Zusätzlich erforderliche Zwischenarbeitsschritte
Begriffe
- VIN / FIN
- Fahrzeug-Identifizierungsnummer, die Hersteller, Baureihe, Karosserieform, Motor und Ausstattung ab Werk beschreibt.
- Lackart
- Einstellung im Kalkulationssystem, die Farbton, Schichtaufbau, Glanzgrad und Lacktechnologie zusammenfasst und die Materialberechnung steuert.
- Lacktechnologie
- Verfahren, Methode und Applikation, mit denen die Werkslackierung im jeweiligen Reparaturlacksystem wiederhergestellt wird.
- Mischformel
- Formel im verwendeten Reparaturlacksystem, anhand derer der Lackierfachbetrieb die Farbtonklassifizierung überprüft; sie kann z. B. hochpreisige Pearl-Effekt-Pigmentbestandteile enthalten.
- ATI / TI
- Anwendungstechnische bzw. Technische Information des Lackherstellers mit den verbindlichen Verarbeitungsvorgaben.
- OEM-Lackierung
- Originallackierung des Fahrzeugherstellers ab Werk.
Typische Fragen
Kann ich mich auf die Lackart aus der VIN-Abfrage verlassen?
Nein. Das Merkblatt nennt sie einen unverbindlichen Service; die Voreinstellung muss vor Ort geprüft, an das eigene Lacksystem angepasst und nach Aufwand berechnet werden.S. 6 ↗
Warum stimmt die Lackart per VIN manchmal nicht?
Mehrschicht-, Matt- und eingefärbte Klarlacklackierungen werden nicht immer korrekt ausgewiesen, Umlackierungen sind nicht erfasst und die Metallic-Einstufung kann falsch sein, wenn die Mischformel Pearl-Pigmente enthält.S. 5 ↗
Warum braucht meine Reparatur mehr Schichten als die Werkslackierung?
Jeder Reparaturlackhersteller hat ein eigenes System. Wo einer mit zwei Schichten auskommt, braucht ein anderer eventuell drei, um den Farbton richtig zu treffen.S. 6 ↗
Wer muss die Lackart prüfen?
Der Karosserie- und Lackierfachbetrieb bzw. der Sachverständige. Der Betrieb soll den Sachverständigen über den nötigen Reparaturablauf informieren.S. 3 ↗
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