Fahrzeuglackierer Bundesverband
Merkblatt-Assistentfür Fahrzeuglackierer

MB 001 · Kalkulation · Stand 09/2020

Farbtonbestimmung und Kalkulation

Handlungsempfehlung

Ob beim Lackieren angrenzende Teile zum Farbtonangleich mitlackiert werden müssen, lässt sich schon vor der Reparatur prüfen und belegen. Das Merkblatt zeigt, wie dieser Prüfaufwand kalkuliert und mit einem Vordruck dokumentiert wird.

Herausgeber: BFL

Kurzfassung zum schnellen Verstehen, gegen den Originaltext geprüft. Verbindlich ist das Original-Merkblatt – die Seitenangaben führen direkt dorthin.

Worum es geht

Beim Unfallschaden wird immer wieder darüber gestritten, ob Nachbarteile beilackiert werden müssen, damit kein Farbunterschied sichtbar ist. Das Merkblatt stellt klar: Diese Entscheidung fällt nicht erst beim Lackieren anhand eines einzigen Musters, sondern lässt sich schon in der Vorab-Kalkulation einschätzen. Dafür hat der Betrieb Werkzeuge wie eigene Erfahrung, Aufspritzmuster, Farbmessgeräte, die Auswertung der Lackrezeptur, Online-Infos der Lackhersteller und Farbpaspeln. Eine fachgerechte Reparatur schließt sichtbare Farbunterschiede aus. Laut Merkblatt wurde schon oft dargestellt, wie weit es ökonomisch sinnvoll bzw. unsinnig ist, zunächst „auf Kante“ zu lackieren und die Lackierung mit den angrenzenden Teilen zu wiederholen, wenn der Farbton flächig anders aussieht als auf der Musterkarte. Das Institut für Fahrzeuglackierung (IFL) hat dafür einen Vordruck entwickelt, mit dem der Betrieb seine fachliche Beurteilung festhält. Der Sachverständige soll diese Prognose schon im Gutachten als eigene Position berücksichtigen, damit sie später abgerechnet werden kann. Eine Beispielrechnung zeigt, welche Arbeitsschritte und Materialien zu so einer Prognose gehören.

Kernaussagen

Wann du das brauchst

So setzt du es um

  1. Vor der Reparatur den Farbton prüfen (Messgerät, Rezeptur, Aufspritzmuster, Farbpaspel) und das Ergebnis im IFL-Vordruck ankreuzen sowie Firma, Ort und Datum eintragen.
  2. Den ausgefüllten Vordruck dem Sachverständigen übergeben, damit der Farbtonangleich und der Prognoseaufwand ins Gutachten kommen.
  3. Den Prognoseaufwand nach dem Muster der Beispielrechnung (dort Stundenlohn 100 Euro) mit Arbeitszeit und Materialkosten kalkulieren; den Klarlack immer betriebsindividuell ansetzen.
  4. Zusatzaufwände (Handling, Nachnuancieren, weitere Muster, Mindestmischmenge, Nachweis fürs Gutachten) gesondert ausweisen.

Genannte Positionen für Kalkulation und Rechnung

Begriffe

Farbtonangleich (Beilackieren)
Mitlackieren angrenzender Teile, damit zwischen Reparaturstelle und Altlackierung kein Farbunterschied zu sehen ist.
Aufspritzmuster
Probelackierung auf einem Musterblech oder einer Musterkarte, die mit dem Fahrzeug verglichen wird.
Farbspektrometer
Messgerät, das den Farbton am Fahrzeug erfasst und auswertbar macht.
Farbpaspeln
Chromatische Farb-Paspelsysteme; der Farbvergleich mit Farbpaspeln ist eine der Möglichkeiten, die Farbtonprüfung zu dokumentieren.
Metamerie
Wird im Merkblatt nur als eines der technischen Themen zur Farbtonangleichung genannt sowie als Punkt der weiteren Maßnahmen zur Farbtonoptimierung, die im Vordruck gegenüber dem Farbtonangleich in angrenzende Teile als wirtschaftlich nicht sinnvoll eingestuft werden können.
Mindestmischmenge
Materialkosten der Mindestmischmenge für die gewählte Nuance fallen schon für ein einzelnes Muster an (im Beispiel 200 ml bei 150 Euro/Liter = 30 Euro).

Typische Fragen

Reicht es, erst beim Lackieren anhand eines Musters zu entscheiden, ob beilackiert wird?

Laut Merkblatt nein. Der Betrieb kann schon in der Vorab-Kalkulation mit Erfahrung, Mustern, Farbmessung und Rezepturauswertung prognostizieren, ob ein Farbtonangleich nötig ist.S. 2 ↗

Wie belege ich, dass Nachbarteile mitlackiert werden müssen?

Mit dem IFL-Vordruck zur fachlichen Beurteilung. Darin wird angekreuzt, ob der Angleich nötig ist und womit das dokumentiert wurde, etwa Aufspritzmuster, Spektrometer, Rezepturauswertung, Herstellerhinweise oder Farbpaspeln.S. 4 ↗

Kann ich den Aufwand für die Farbtonprüfung berechnen?

Ja, das Merkblatt zeigt eine Beispielrechnung mit Arbeitsschritten und Material. Weitere Aufwände wie Nachnuancieren oder weitere Muster sind gesondert zu berechnen.S. 3 ↗

Warum sollte der Sachverständige den Farbtonangleich schon im Gutachten aufnehmen?

Damit der Lackierbetrieb die Position am Ende auch abrechnen kann. Das Merkblatt vergleicht das mit der Achsvermessung bei der Schadensfeststellung.S. 2 ↗

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