MB 007 · Lacktechnik · Stand 03/2021
Lackmerkblatt
Grundlagen für die fachgerechte Reparatur von Uni- und Effektlackierungen bei straßengebundenen Fahrzeugen
Das Grundlagenpapier zur Reparaturlackierung: welcher Lackaufbau wie repariert wird, wann beilackiert werden muss und was das für Farbmuster und Kalkulation bedeutet.
Herausgeber: BFL, DeKoLaKa
Kurzfassung zum schnellen Verstehen, gegen den Originaltext geprüft. Verbindlich ist das Original-Merkblatt – die Seitenangaben führen direkt dorthin.
Worum es geht
Falls anders eine entsprechende Übereinstimmung des Farbtons nicht erreichbar ist, wird bei Zwei- und Mehrschicht-Lackierungen beilackiert: Der Basislack wird auslaufend im beschädigten Teil oder in angrenzende Teile lackiert und alles vollständig mit Klarlack überlackiert.
Kernaussagen
- Das Lackmerkblatt ist die Grundlage für die Beurteilung von Fahrzeuglackierungen im Schadenfall und gilt für alle straßengebundenen Fahrzeugkategorien; es ersetzt alle früheren Ausgaben.S. 2 ↗
- Der Umfang der Reparaturlackierung richtet sich nach Schaden, möglichem Lackierverfahren und dem Zustand der Lackierung vor dem Schaden, einschließlich Vorschäden.S. 3 ↗
- Über eine Unterteilung der Lackfläche entscheidet der ausführende Lackierer; die Entscheidung sollte gegebenenfalls Auftraggeber, Sachverständigem und/oder Versicherung mitgeteilt oder mit ihnen abgestimmt werden.S. 3 ↗
- Ob im Teil oder in angrenzende Teile beilackiert wird, entscheidet der Lackierer anhand selbst lackierter Farbmuster nach Stand der Technik; die Entscheidung ist unter Umständen abzusprechen und zu begründen.S. 7 ↗
- Die Beilackierung im Teil ist bei 2- und 3-Schicht-Lackierungen und für kleine bis mittlere Beschädigungen die anzustrebende Methode, sofern die Lage der Schadstelle im Bauteil und die daraus resultierende Bearbeitungsfläche dies ermöglichen; 4-Schicht-Lackierungen mit farbigem Vorlack und eingefärbtem Klarlack können handwerklich nicht im beschädigten Teil beilackiert werden.; 4-Schicht-Lacke mit farbigem Vorlack und eingefärbtem Klarlack lassen sich handwerklich nicht im beschädigten Teil beilackieren.S. 7 ↗
- Beim Beilackieren angrenzender Teile können zusätzliche De- und Montagearbeiten sowie der Ersatz nicht zerstörungsfrei demontierbarer Anbauteile anfallen; beilackierte Teile werden in der AZT-Lackkalkulation mit der Lackierstufe Oberflächenlackierung kalkuliert.S. 8 ↗
- Liegen Kunststoff-Anbauteile schon vor dem Schaden farblich sichtbar anders als die Karosserie, ist dieser Zustand festzustellen, zu dokumentieren und zu beschreiben – er ist die Basis des Wiederherstellungsaufwands.S. 10 ↗
- Lack anmischen mit Mischanlage sowie Farbmuster und Farbtonfindung können bei der AZT-Lackkalkulation als separate Arbeitspositionen erfasst werden; eine hundertprozentige Farbtonübereinstimmung ist nicht in allen Fällen möglich.S. 11 ↗
- Die per FIN vorbelegte Lackart muss nicht zum eingesetzten Reparaturlacksystem passen – z. B. kann eine 2-Schicht-Serienlackierung in der Reparatur 3 Schichten erfordern; Die per FIN vorbelegte Lackart muss nicht zum eingesetzten Reparaturlacksystem passen – z. B. kann eine 2-Schicht-Serienlackierung in der Reparatur eine 3-Schicht-Lackierung erfordern; die Einstellungen in der Kalkulationssoftware sind dann unter Berücksichtigung des konkreten Sachverhalts anzupassen und sofern nötig individuell begründet zu ergänzen.S. 11 ↗
- Für die Kalkulation gilt nur das vor Ort verfügbare und tatsächlich eingesetzte Reparaturlacksystem; alle benötigten Arbeitspositionen sollten plausibel erklärt werden können.S. 12 ↗
- Bei matten Farbtönen sind selbst lackierte Farbmuster zur Glanzgrad- und Farbtonbestimmung notwendig, und in der Regel können nur komplette Karosserieteile lackiert werden; Spezial-Effektlacke erfordern unter Umständen eine ganze Sichtfläche oder Ganzlackierung.S. 19 ↗
- Die DIN 6175:2019-07 zu Farbtoleranzen ist für die Beurteilung von Reparaturlackierungen nicht sinnvoll anwendbar, weil Glanz, Textur und Effektorientierung den Eindruck mitbestimmen und das Auge des Fachmanns unerlässlich bleibt.S. 20 ↗
Wann du das brauchst
- Ein Gutachter oder Kostenträger stellt die Beilackierung der angrenzenden Tür oder des Kotflügels in Frage.
- Die Kalkulationssoftware hat per FIN einen 2-Schicht-Lack vorbelegt, der Reparaturlack braucht aber einen 3-Schicht-Aufbau.
- Ein Stoßfänger aus Kunststoff soll lackiert werden und passte schon vor dem Unfall farblich nicht exakt zur Karosserie.
- Ein Fahrzeug mit Matt-, 4-Schicht- oder Speziallack kommt mit einem Schaden in die Werkstatt.
- Ein Kunde reklamiert nach der Reparatur eine leichte Farbabweichung und verweist auf eine DIN-Norm.
- Farbmuster und Farbtonfindung sowie Lack anmischen mit Mischanlage sollen bei Verwendung der AZT-Lackkalkulation als separate Arbeitsposition erfasst werden.
So setzt du es um
- Die Einstellungen in der Kalkulationssoftware (z. B. Lackart) unter Berücksichtigung des konkreten Sachverhalts und des zum Einsatz kommenden Reparaturlacksystems anpassen, statt die FIN-Vorbelegung ungeprüft zu übernehmen, und sofern nötig individuell begründet ergänzen.
- Die Entscheidung über eine Beilackierung (im Teil oder in angrenzende Teile) anhand selbst lackierter Farbmuster nach Stand der Technik treffen; sie ist unter Umständen mit Auftraggeber, Sachverständigem oder Versicherung abzusprechen und zu begründen.
- Bei Verwendung der AZT-Lackkalkulation können die Zusatzarbeiten „Lack anmischen mit Mischanlage“ und „Farbmuster und Farbtonfindung“ mit einer separaten Arbeitsposition erfasst werden. Ob Farbmuster erstellt werden, hängt vom Auftrag ab und liegt im Ermessen des Lackierfachmanns. Zum Farbtonangleich beilackierte Bauteile werden mit der Lackierstufe „Oberflächenlackierung“ kalkuliert.
- Zusätzliche De- und Montagearbeiten sowie ggf. zu ersetzende Anbauteile bei der Beilackierung angrenzender Teile mit einplanen.
- Den Zustand der Lackierung vor dem Schadenereignis (Vorschäden, erkennbare Farb- und Effektunterschiede, Witterungs- und Alterungseinflüsse) beachten; ein vorbestehender Farbton- und Effektunterschied zwischen Kunststoffanbauteil und Karosserie ist festzustellen, zu dokumentieren und zu beschreiben.
- Eine hundertprozentige Farbton- und Effektübereinstimmung ist bei Reparaturlackierungen nicht in allen Fällen möglich (Kapitel 1.8); laut Kapitel 3 ist die DIN 6175:2019-07 für die Beurteilung von Reparaturlackierungen nicht sinnvoll anwendbar.
Genannte Positionen für Kalkulation und Rechnung
- Ganzlackierung
- Teillackierung / Einzelteillackierung / Teilelackierung
- Beilackierung im Teil
- Beilackierung / Farbtonangleich angrenzender Bauteile (AZT-Lackierstufe Oberflächenlackierung)
- Zusätzliche De- und Montagearbeiten bei Beilackierung angrenzender Teile
- Erneuerung nicht zerstörungsfrei demontierbarer Anbauteile
- Lack anmischen mit Mischanlage
- Farbmuster und Farbtonfindung
- Auslaufendes Lackieren des Klarlacks mit Polieren der Übergangszone
- Polieren angrenzender Bereiche zum Glanzgradangleich (1-Schicht-Lack)
- Zusätzliche Farbmuster bei Nachnuancieren bzw. bei 3- und Mehrschichtlacken
- Lackartbezogene Besonderheiten wie Matt- oder Sonderlackierung
- Design-Lackierungen (Aufwand im Einzelfall gesondert bewerten)
Begriffe
- Beilackierung
- Lackierung mit einem Übergang: Der Basislack wird über die Schadstelle hinaus auslaufend lackiert und das Teil bzw. die betroffenen Teile vollständig mit Klarlack überlackiert, um Farbton und Effekt anzupassen.
- Beilackierung im Teil
- Der Basislack wird innerhalb des beschädigten Bauteils stufenlos zur unbeschädigten Fläche ausgezogen.
- Farbtonangleich angrenzender Bauteile
- Unbeschädigte Nachbarteile werden angeschliffen, auslaufend mit Basislack versehen und komplett mit Klarlack überlackiert.
- 1-/2-/3-/4-Schicht-Lackierung
- Bezeichnung für den Lackaufbau anhand der erforderlichen und aufeinanderfolgend applizierten einzelnen Lackschichten; gezählt werden nur die Lackschichten, die ab der Füllerschicht aufgebracht werden (Basis- und Decklackschichten sowie Klarlackschichten).
- Lupeneffekt
- Effekt, der bei der Beilackierung minimiert werden soll, indem die Klarlackschichtdicke am Bauteilrand möglichst gering gehalten wird.
- Blender (Beilackieradditiv)
- Transparentes Additiv, das die Übergangszone bei zwei- oder mehrschichtigen Lacken verbessert.
- Flop
- Hell-Dunkel-Flop, erzeugt durch Aluminiumpigmente beim Metallic-Effekt, bzw. changierender Farbflop, erzeugt durch Perlglanz- oder Perleffektpigmente bei Perlcolor-Lacken.
- Xirallic®
- Effektpigment aus beschichteten Aluminiumoxid-Plättchen, das einen Glitzereffekt erzeugt.
- VMP (Vakuum-Metallic-Pigmente)
- Spezialpigmente für einen Chrom- oder Flüssigmetall-Look, die kaum Füllkraft haben und jede Untergrundunebenheit zeigen.
- FIN / VIN
- Fahrzeugidentifizierungsnummer, über die Kalkulationssysteme u. a. Farbcode und Lackart abfragen – spätere Umlackierungen sind darin nicht erfasst.
- Spektrophotometer
- Farbtonmessgerät, das in Kombination mit der Farbtondatenbank des Reparaturlackherstellers den Lackierfachmann bei der Suche und Bestimmung der bestmöglichen Rezeptur unterstützt.
Typische Fragen
Wer entscheidet, ob ein angrenzendes Teil beilackiert wird?
Grundsätzlich der ausführende Lackierfachmann – anhand selbst lackierter Farbmuster und nach Stand der Technik. Die Entscheidung ist unter Umständen mit Auftraggeber, Sachverständigem oder Versicherung abzusprechen und zu begründen.S. 7 ↗
Wie wird die Beilackierung eines Nachbarteils in der AZT-Kalkulation angesetzt?
Die zum Farbtonangleich beilackierten Bauteile werden mit der Lackierstufe Oberflächenlackierung kalkuliert. Zusätzlich können De- und Montagearbeiten und ggf. der Ersatz nicht zerstörungsfrei lösbarer Anbauteile anfallen.S. 8 ↗
Darf man Farbmuster und das Anmischen des Lacks extra berechnen?
Bei Verwendung der AZT-Lackkalkulation können Lack anmischen mit Mischanlage und Farbmuster und Farbtonfindung als separate Arbeitsposition erfasst werden. Ob Farbmuster nötig sind, hängt vom Auftrag ab und liegt im Ermessen des Lackierers.S. 11 ↗
Die Software zeigt per FIN einen 2-Schicht-Lack – muss ich das übernehmen?
Nein. Die FIN-Daten müssen nicht mit der Lackart des verwendeten Reparaturlacksystems übereinstimmen; eine 2-Schicht-Serienlackierung kann in der Reparatur 3 Schichten erfordern. Die Einstellungen sind dann anzupassen und bei Bedarf zu begründen.S. 11 ↗
Kann man einen 4-Schicht-Lack im beschädigten Teil beilackieren?
Nein, eine Beilackierung im beschädigten Teil ist bei 4-Schicht-Lacken nicht möglich. Das Beilackieren angrenzender Flächen braucht eine besonders weite Übergangszone, unter Umständen ist nur die Lackierung einer ganzen Sichtfläche wie einer Wagenseite zufriedenstellend.S. 17 ↗
Der Stoßfänger hatte schon vorher einen anderen Farbton – was nun?
Kunststoff-Anbauteile können schon ab Werk vom Karosseriefarbton abweichen. Ein vorher bestehender Unterschied ist festzustellen, zu dokumentieren und zu beschreiben und bildet die Basis für den Wiederherstellungsaufwand.S. 10 ↗
Kann bei Mattlack nur die beschädigte Stelle lackiert werden?
Bei matten Farbtönen können in der Regel nur komplette Karosserieteile lackiert werden. Glanzgrad und Farbton sind anhand selbst lackierter Farbmuster zu bestimmen.S. 19 ↗
Gilt die DIN 6175 als Maßstab für Farbabweichungen nach einer Reparatur?
Laut Merkblatt ist die DIN 6175:2019-07 für die Schadenpraxis nicht sinnvoll anwendbar. Glanz, Transluzenz, Textur und die Ausrichtung der Effektpartikel prägen den Eindruck mit, und das Auge des Fachmanns bleibt unerlässlich.S. 20 ↗
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