MB 008 · Karosserie & Übergabe · Stand 03/2021
Übergabezustand von Karosserie an Lack
Legt fest, in welchem Zustand der Karosseriebauer ein instandgesetztes Teil an den Lackierer übergeben muss – und wer bezahlt, wenn dieser Zustand nicht erreicht wird.
Herausgeber: BFL, DeKoLaKa
Kurzfassung zum schnellen Verstehen, gegen den Originaltext geprüft. Verbindlich ist das Original-Merkblatt – die Seitenangaben führen direkt dorthin.
Worum es geht
Damit eine Lackierung hält, muss der Karosseriebauer das Blech vorher sauber in Form bringen. Das Merkblatt definiert diesen Übergabezustand: kontur- und kantengerecht ausgebeult, bei Bedarf mit Karosseriefüllmasse auf 2K-Epoxidharzbasis ergänzt und so geschliffen (kein Winkelschleifer), dass der Lackierer direkt mit Exzenter- oder Schwingschleifer und z. B. Körnung P120 weitermachen kann. Danach bringt der Lackierer die Fläche in maximal drei Stufen, etwa Polyesterspachtel, Feinspachtel und Schleiffüller, auf Endqualität. Die Form mit Polyesterspachtel zu modellieren, gilt ausdrücklich nicht als fachgerechte Reparatur, weil dicke Polyesterschichten Feuchtigkeit ziehen und später zu Glanzverlust, Abplatzungen oder Korrosion führen können. Der Aufwand für das Erreichen des Übergabezustands steckt bereits in der Instandsetzungszeit des Karosseriebaus. Muss der Lackierer nacharbeiten, darf er Arbeitszeit und Material dem beauftragenden Autohaus oder der Karosseriewerkstatt in Rechnung stellen, die das mit ihrer Instandsetzungszeit verrechnen – eine Doppelberechnung ist nicht zulässig, der Gesamtaufwand darf nicht steigen. Arbeiten Karosserie und Lack in getrennten Betrieben, empfiehlt das Merkblatt, den Übergabezustand je Auftrag genau zu protokollieren. Fotobeispiele zeigen erreichte und nicht erreichte Übergabezustände.
Kernaussagen
- Der Übergabezustand grenzt die Arbeitsschritte, Materialien und Werkzeuge von Karosseriebau und Lackiererei klar ab und ist Basis der Kalkulationshilfe für Ausbeularbeiten sowie Ausgangsbasis der AZT-Lackkalkulation.S. 2 ↗
- Wird der Übergabezustand nicht erreicht, ist der Mehraufwand des Lackierers bereits in der Instandsetzungszeit des Karosseriebauers enthalten und wird dort vergütet.S. 3 ↗
- Der Lackierbetrieb darf den nötigen Aufwand dem beauftragenden Autohaus oder der Karosseriewerkstatt in Rechnung stellen; diese verrechnet ihn mit ihrer Instandsetzungszeit – eine Doppelberechnung ist unzulässig.S. 3 ↗
- Das Kostenproblem eines mangelhaften Übergabezustands kann nur zwischen Karosseriewerkstatt bzw. Autohaus und beauftragtem Lackierbetrieb gelöst werden.S. 3 ↗
- Als Karosseriefüllmasse bzw. Schwemmzinnersatz gelten im eigentlichen Sinn nur Materialien auf 2K-Epoxidharzbasis; ihre Verarbeitung ist in der Kalkulationshilfe für Ausbeularbeiten schon berücksichtigt, eine Erhöhung der Zeitvorgaben ist grundsätzlich nicht nötig.S. 4 ↗
- Den Übergabezustand mit 2K-Polyesterspachtel herzustellen, ist keine sach- und fachgerechte Reparatur; mögliche Folgen sind Glanzverlust, Haftungsstörungen, Randzonenmarkierungen sowie Korrosion mit Blasenbildung.S. 4 ↗
- Definition: kontur- und kantengerecht ausgebeult bzw. eingeschweißt, ggf. mit Karosseriefüllmasse ergänzt und ohne Winkelschleifer so bearbeitet, dass der Lackierer mit Exzenter-/Schwingschleifer und z. B. Körnung P120 fortfahren kann.S. 5 ↗
- Laut AZT-Systembeschreibung stellt der Lackierer die Fläche danach in maximal drei Stufen fertig, z. B. Polyesterspachtel, Feinspachtel, Schleiffüller.S. 5 ↗
- Ziel ist ein gleichmäßiger, feiner metallischer Endschliff durch den Karosseriebauer; Übergänge zum Altlack, Kunststoffe und Leichtbauwerkstoffe sind feiner zu bearbeiten.S. 5 ↗
- Fehlen dem Auftraggeber die Voraussetzungen für den Übergabezustand, kann ihn der Lackierbetrieb herstellen; eine abgestimmte Verrechnung ist zulässig, solange der Gesamtaufwand nicht steigt.S. 6 ↗
- Typische Mängel beim nicht erreichten Übergabezustand: tiefe Kratzer, nicht zugeschweißte Löcher, hohe Rautiefe durch fehlenden Endschliff und fehlende gleichmäßige Übergangsbereiche zum Altlack.S. 15 ↗
- Arbeiten Karosserie und Lack in verschiedenen Betrieben, empfiehlt sich ein genaues Protokoll des Übergabezustands je Auftrag und eine rechtzeitige Abstimmung bei Abweichungen.S. 18 ↗
Wann du das brauchst
- Ein Lackierbetrieb bekommt vom Autohaus ein Teil mit groben Schleifspuren oder offenen Löchern und muss erst nacharbeiten.
- Streit zwischen Karosserieabteilung und Lackiererei, wer den Spachtel- und Schleifaufwand trägt.
- Ein Lackierer soll Mehraufwand für Vorarbeiten an die Karosseriewerkstatt berechnen und braucht eine fachliche Grundlage.
- Nach einer Reparatur treten Blasen, Abplatzungen oder Randzonen auf, und es stellt sich die Frage nach dickem Polyesterspachtel.
- Neue Zusammenarbeit zwischen einer Karosseriewerkstatt und einem externen Lackierbetrieb soll geregelt werden.
So setzt du es um
- Wenn Karosserie- und Lackierarbeiten in verschiedenen Betrieben durchgeführt werden, den Übergabezustand pro Auftrag genauestens protokollieren.
- Bei nicht erreichtem Übergabezustand die benötigte Arbeitszeit und das Material erfassen und dem beauftragenden Autohaus bzw. der Karosseriewerkstatt in Rechnung stellen; diese verrechnen den Aufwand mit ihrer Instandsetzungszeit – eine Doppelberechnung ist nicht zulässig.
- Mit Auftraggebern rechtzeitig abstimmen, wie verrechnet wird, wenn der Lackierbetrieb den Übergabezustand herstellt; der Gesamtaufwand darf dadurch nicht steigen.
- Im Karosseriebau die kontur- und kantengerechte Form durch Ausbeulen und bei Bedarf mit Karosseriefüllmasse (2K-Epoxidharz) herstellen. Ein Modellieren der kontur- und kantengerechten Oberfläche mittels Polyester-Spachtelmasse stellt keine sach- und fachgerechte Instandsetzung dar. Anschließend mit oszillierender Schleiftechnik (Exzenter-, Schwing- oder Linearschleifer) so schleifen, dass der Lackierer mit Körnung P120 (oder feiner) weiterarbeiten kann.
- Beachten: Bei passendem Übergabezustand kann der Lackierer direkt mit den ersten Arbeitsschritten beginnen; im Beispiel waren zusätzlich Demontagearbeiten (z. B. Türschloss, Clips, Stopper) erforderlich.
Genannte Positionen für Kalkulation und Rechnung
- Ausbeulen / Instandsetzung nach Kalkulationshilfe für Ausbeularbeiten (Karosseriebau)
- Auftrag und Bearbeitung von 2K-Epoxidharz-Karosseriefüllmasse (Karosseriebau, in Ausbeulzeit enthalten)
- Endschliff mit oszillierender Schleiftechnik (Karosseriebau)
- Schleifen der Übergänge mit Exzenter-/Schwingschleifer, z. B. P120 (erster Arbeitsschritt Lack)
- Polyesterspachtel, Feinspachtel bzw. Polyester-Spritzspachtel und Schleiffüller (max. drei Stufen, Lack)
- Mehraufwand zur Herstellung des Übergabezustands durch den Lackierer (Arbeitszeit und Material, Rechnung an Autohaus/Karosseriewerkstatt)
- Zusätzliche Demontagearbeiten, z. B. Türschloss, Clips, Stopper
Begriffe
- Übergabezustand
- Der definierte Zustand, in dem der Karosseriebauer das instandgesetzte Teil an den Lackierer übergibt, sodass dieser mit dem ersten Arbeitsschritt (Schleifen mit Exzenter-/Schwingschleifer, z. B. Körnung P120) fortfahren kann; er ist Grundlage für eine lackierfähige Oberfläche.
- Lackierfähige Oberfläche
- Ausgangspunkt der Arbeitszeiten im AZT-Lacksystem: Übergabezustand erreicht und vom Lackierer in maximal drei Stufen fertiggestellt.
- Karosseriefüllmasse / Schwemmzinnersatz
- Füllmaterial auf 2K-Epoxidharzbasis, das früheres bleihaltiges Schwemmzinn ersetzt und in den Karosseriebau gehört.
- Metallspachtel
- 2K-Polyestermaterial mit Metallpulver, z. B. Diamantspachtel, für kleine bis mittlere Schäden auf Stahl oder Aluminium.
- 2K-Polyesterspachtel
- Den Lackmaterialien zugeordneter Spachtel, der nur zur Feinarbeit dient und nicht zum Modellieren der Form.
- Hygroskopisch
- Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmend. Laut Merkblatt ist oft ein erhöhter Auftrag von 2K-Polyester-Spachtelmaterial (bis zu mehreren Millimetern) die Ursache der Schäden; seine hygroskopische Eigenschaft verstärkt potenzielle Schädigungsmechanismen.
- Kalkulationshilfe für Ausbeularbeiten
- Von der Deutschen Kommission beschlossene Zeitvorgabe für Ausbeulen (umgangssprachlich Ausbeulformel), die den Übergabezustand als Ziel hat.
- Rautiefe
- Eine hohe Rautiefe durch fehlenden Endschliff ist ein Grund für einen nicht erreichten Übergabezustand.
Typische Fragen
Wann ist der definierte Übergabezustand vom Karosseriebau an den Lack erreicht?
Wenn es kontur- und kantengerecht ausgebeult bzw. eingeschweißt ist, ggf. mit Karosseriefüllmasse ergänzt, und ohne Winkelschleifer so bearbeitet wurde, dass der Lackierer mit Exzenter- oder Schwingschleifer und z. B. Körnung P120 weitermachen kann.S. 5 ↗
Darf der Lackierer Nacharbeit am Karosserieteil berechnen?
Ja. Der Lackierbetrieb darf den erforderlichen Aufwand an Arbeitszeit und Material dem beauftragenden Autohaus oder der Karosseriewerkstatt in Rechnung stellen. Diese verrechnet ihn mit ihrer Instandsetzungszeit, eine Doppelberechnung ist nicht zulässig.S. 3 ↗
Kann der Mehraufwand zusätzlich beim Kostenträger abgerechnet werden?
Das Merkblatt sieht vor, dass der Aufwand bereits in der Instandsetzungszeit des Karosseriebaus steckt und nur zwischen Auftraggeber und Lackierbetrieb verrechnet wird. Der gesamte zu erstattende Aufwand darf dadurch nicht steigen.S. 18 ↗
Warum reicht es nicht, Dellen einfach mit Polyesterspachtel aufzufüllen?
Dicke Schichten 2K-Polyesterspachtel nehmen Luftfeuchtigkeit auf und können zu Glanzverlust, Abplatzungen, Randzonen und Korrosion mit Blasen führen. Den Übergabezustand so herzustellen, gilt nicht als sach- und fachgerechte Reparatur.S. 4 ↗
Braucht der Karosseriebauer mehr Zeit, wenn er Epoxid-Füllmasse einsetzt?
Eine Erhöhung der Arbeitszeitvorgaben ist grundsätzlich nicht notwendig, weil die Ver- und Bearbeitung der Karosseriefüllmassen in der Kalkulationshilfe für Ausbeularbeiten bereits berücksichtigt ist.S. 4 ↗
Wie viele Arbeitsstufen sind für den Lackierer nach der Übergabe vorgesehen?
Maximal drei Stufen, zum Beispiel Polyesterspachtel, Feinspachtel und Schleiffüller oder Polyester-Spritzspachtel und Schleiffüller.S. 5 ↗
Was tun, wenn Karosserie und Lack in zwei verschiedenen Betrieben gemacht werden?
Das Merkblatt empfiehlt, den Übergabezustand je Auftrag genau zu protokollieren. Bei Abweichungen sollten Auftraggeber und Lackierbetrieb das Vorgehen rechtzeitig abstimmen, um Verzögerungen und Konflikte zu vermeiden.S. 18 ↗
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