Fahrzeuglackierer Bundesverband
Merkblatt-Assistentfür Fahrzeuglackierer

MB 009 · Lacktechnik · Stand 03/2023

Auslaufendes Lackierverfahren

Fachgerechte Reparaturlackierung ohne eindeutige Abgrenzung durch separierende Elemente an Karosseriebauteilen

Wo Karosserieteile ohne separierende Elemente wie Kanten, Zierleisten oder eine Dachreling direkt ineinander übergehen (z. B. Seitenwand und Dach) (z. B. Seitenwand und Dach), stellt sich die Frage: Klarlack auslaufen lassen oder die ganze Fläche mitlackieren? Das Merkblatt erklärt beide Wege, ihre Risiken und wie man sie kalkuliert.

Herausgeber: BFL, DeKoLaKa

Kurzfassung zum schnellen Verstehen, gegen den Originaltext geprüft. Verbindlich ist das Original-Merkblatt – die Seitenangaben führen direkt dorthin.

Worum es geht

Viele Karosserien haben Stellen, an denen es keine natürliche Grenze zum Abkleben gibt – etwa zwischen hinterer Seitenwand, Dachholm und Dach oder zwischen Säulen und Schweller. Beim auslaufenden Lackierverfahren wird der Klarlack dort nicht bis zu einer Kante, sondern fein verlaufend auf den angeschliffenen Altlack gespritzt und danach geschliffen und poliert. Das geht nur bei glänzenden Lackierungen mit mindestens zwei Schichten und chemisch vernetztem, transparentem Klarlack, und es braucht genug Fläche für den Übergang. Wichtig: Im Übergang entsteht keine chemisch geschlossene Klarlackschicht, sondern nur eine Überlagerung – deshalb kann die Stelle später durch Waschstraße, Hochdruckreiniger, Polieren oder Alterung sichtbar werden. Auf direkten Sichtflächen (Zone A) empfiehlt das Merkblatt deshalb die durchgehende Oberflächenlackierung; in Schweller-, Innen-, verdeckten oder hoch liegenden Bereichen kann das Auslaufen eine gute Lösung sein. Die Entscheidung trifft die Lackierfachkraft am Fahrzeug, bei Bedarf abgestimmt mit Auftraggeber, Sachverständigem oder Versicherung. Das Auslaufen ist nicht automatisch billiger: Vor- und Nacharbeit, Material und Energie können teurer sein als die ganze Fläche. In den Kalkulationssystemen passen die Bauteilgrafiken oft nicht zu den tatsächlich zu lackierenden Flächen, was zu Diskussionen führen kann.

Kernaussagen

Wann du das brauchst

So setzt du es um

  1. Am Fahrzeug prüfen: Gibt es separierende Elemente, Designkanten oder schmale Stellen (C-/D-Säule) für einen Übergang?
  2. Kriterien für das Auslaufen prüfen: glänzend, glatt, mindestens 2-Schicht, vollständig transparenter, chemisch vernetzter Klarlack, genug Fläche; auf Zone-A-Sichtflächen ist die durchgehende Oberflächenlackierung das zu favorisierende Verfahren.
  3. Beschädigtes Teil in der erforderlichen Lackstufe, mitzulackierende Teile ohne separierende Elemente in der geeigneten Lackstufe erfassen; da Zeit und Material fürs Auslaufen nicht in den Lackierzeiten des beschädigten Bauteils enthalten sind, den Mehraufwand gegenüber einer durchgehenden Oberflächenlackierung abwägen.
  4. Falls erforderlich, das weitere Vorgehen einschließlich Reparaturweg mit Auftraggeber, Sachverständigem oder Versicherung abstimmen.
  5. Das Merkblatt dient allen am Reparaturablauf Beteiligten als Information und Leitfaden; auf direkten Sichtflächen (Zone A) ist die durchgehende Oberflächenlackierung das zu favorisierende Verfahren.

Genannte Positionen für Kalkulation und Rechnung

Begriffe

Auslaufendes Lackierverfahren
Reparaturmethode, bei der der Klarlack nicht bis zu einer Kante, sondern fein verlaufend auf dem Altlack endet und der Übergang poliert wird.
Separierende Elemente
Elemente wie Kanten, Zierleisten oder eine Dachreling, die üblicherweise für unauffällige Abdecklinien verwendet werden.
Übergangs- bzw. Auslaufzone
Bereich, in dem der neue Klarlack über den vorhandenen Lack ausläuft.
Oberflächenlackierung
Durchgehende Lackierung der gesamten Bauteiloberfläche als Alternative zum auslaufenden Lackierverfahren; mitlackierte angrenzende Teile, die nicht zum beschädigten Reparaturumfang zählen, werden als Oberflächenlackierung kalkuliert.
Zone A
Direkte Sichtfläche bei der Pkw-Karosserieeinteilung zur Lackbeurteilung nach der AZT-Systembeschreibung.
Designkante
Gestaltungskante, Sicke oder Leiste auf einem Bauteil, die als Abdecktrennlinie genutzt werden kann.
Overspray
Lacknebel, der sich in der Auslaufzone des Übergangsbereichs nicht niederschlagen darf; deshalb sind entsprechende Abdeckarbeiten erforderlich.

Typische Fragen

Muss nach einer Seitenwandreparatur immer das ganze Dach mitlackiert werden?

Nein, nicht automatisch. Wenn der Übergang an einer schmalen Stelle wie der C- oder D-Säule möglich ist, kann das auslaufende Verfahren sinnvoll sein; sonst muss zwischen Auslaufen und Lackierung des Daches mit weiteren Flächen abgewogen werden.S. 6 ↗

Wer entscheidet, ob ausgelaufen oder durchgehend lackiert wird?

Die ausführende Lackierfachkraft am Fahrzeug. Sie stimmt sich bei Bedarf mit Auftraggeber, Sachverständigem oder Versicherung ab.S. 12 ↗

Ist Auslaufen nicht immer die günstigere Lösung?

Nicht zwingend. Vorbereitung, Nachbearbeitung, Material und Energie können das Verfahren teurer machen als eine durchgehende Oberflächenlackierung.S. 6 ↗

Warum kann ein ausgelaufener Übergang später sichtbar werden?

Im Übergang liegt der neue Klarlack nur auf dem alten, eine chemisch geschlossene Verbindung gibt es nicht. Alterung, Waschstraße, Hochdruckreiniger oder Polieren können Abrisskanten, Glanzverlust oder Ablösungen verursachen.S. 5 ↗

Wo ist Auslaufen fachlich eher akzeptabel?

In Bereichen außerhalb der direkten Sichtfläche, etwa am Schweller, in Innen- oder verdeckten Bereichen und an hoch über Augenhöhe liegenden Flächen. Auf Zone-A-Sichtflächen wird die durchgehende Lackierung bevorzugt.S. 12 ↗

Ist der Aufwand fürs Auslaufen in der Lackierzeit des Schadenteils enthalten?

Nein. Die Zeit- und Materialwerte für das auslaufende Verfahren sind in den Lackierzeiten des beschädigten Bauteils nicht enthalten, der Mehraufwand ist daher abzuwägen.S. 9 ↗

Kann ich vom Dach aus auf die Seitenwand auslaufen lassen?

Das Merkblatt rät davon ab: Vom liegenden Dach sinkt Lacknebel auf die senkrechten Flächen und sammelt sich in der Auslaufzone. Hier kann die Oberflächenlackierung der Seitenwände sinnvoller sein oder eine Designkante als Trennlinie dienen.S. 7 ↗

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